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Georg Britting
Sämtliche Werke 
- Gedichte aus den zwanziger Jahren -   Band 1   Seite 537
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Der Veteran

Er trägt einen Fleck, einen moosgelben Fleck
Auf dem grünen Ärmel, er hat keinen andern.
Er schnüffelt wild, seine Nase ist weg,
Liegt bei Paschendaele in Flandern.

Er holt sich am Amt seine fünfhundert Mark.
Fünftausend, er kann’s nicht verwinden,
Fünftausend bekommen die Blinden
Und die mit gelähmtem Rückenmark.

Er steht an der Ludwigstraße
Mit den Händen in den Hosen.
Schaun all auf seine Nase.
Ein Karren mit Aprikosen

Fährt vorbei.  Vom Würmerfraße
Zeigt eine ein grünes Loch.
Das grüne Loch, wem gleicht es doch?
Dem Loch in seiner Nase.

Er kauft sich die nasse, zermatschte Frucht.
Beriecht sie auf blankem Handteller.
Beriecht sie, und läuft, und schneller
Als damals auf der großen Flucht

Vor den Granaten.  Schon ist er am Siegestor.
Eine Autodroschke rollt glatt heran,
Da wirft die Frucht der Veteran
Dem feinen Fräulein ans Ohr.

Das tröpfelt den weißen Hals hinab
Und klebrig den Kanal
Zwischen den Brüsten.  Und bis sie befahl
Ihm nachzufahrn, war er im Trab
Im englischen Garten verschwunden.

Er hat es nie verwunden
Und fühlt es täglich gleich stark:
Fünftausend Mark die Blinden und die Rückenmarksverletzten,
Als ob ihm Auge und strammes Kreuz und fünfhundert Mark 
Das Loch überm Maul ersetzten.

[1923]
 
 
 
 
 

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